Die moderne Medizin erkennt zunehmend an, was alte Traditionen seit Jahrtausenden wissen: Der Mensch besteht nicht nur aus Fleisch und Knochen. Probleme, die wir tief in uns tragen – Ängste, ungelöste Konflikte und unterdrückte Emotionen – bleiben nicht im Kopf eingeschlossen. Sie wandern tiefer. Sie setzen sich im Körper fest und manifestieren sich als Schmerz, Krankheit oder Anspannung. Warum geschieht das? Und sind wir immer die einzige Quelle unserer eigenen Emotionen?
Bereits die alten Lehren des Yoga beschreiben den Menschen als mehrere übereinanderliegende Schichten. Die äußerste Schicht ist der physische Körper, also das, was wir sehen und berühren können. Direkt dahinter verbirgt sich der Energiekörper, ein unsichtbares Netz, durch das die Lebenskraft fließt. Tiefer liegen die Emotionen und der Verstand. Noch tiefer liegen die Intuition und die spirituelle Erkenntnis. Im innersten Kern befindet sich der reine, unberührte göttliche Geist, unser göttlicher Funke.
Diese Schichten sind nicht voneinander isoliert. Sie stehen in einem ununterbrochenen Dialog miteinander. Was auf der Ebene der Emotionen und des Verstandes geschieht, spiegelt sich sofort im Energiekörper und von dort aus im physischen Körper wider. Die Richtung ist dabei immer dieselbe: von innen nach außen.

Wenn ein Mensch in Harmonie ist, seine Gedanken rein sind, er seine Emotionen verarbeitet hat und sein Geist ruhig ist, fließt die Lebensenergie frei. Der Körper ist dann genährt, widerstandsfähig und voller Vitalität. Tritt jedoch chronische Angst, unterdrückter Zorn, tiefe Traurigkeit oder Schuldgefühle auf, wird der Energiefluss gestört. Es bilden sich Blockaden wie Staudämme an einem Fluss. Die Energie staut sich an einer Stelle und verursacht eine Überlastung, während andere Bereiche unterversorgt bleiben. Nach längerer Zeit kann sich an der Stelle der stärksten Blockade eine physische Krankheit entwickeln.
Jede Emotion hat ihre Entsprechung im Körper. Angst residiert in den unteren Körperbereichen, beispielsweise in den Nieren oder im unteren Abschnitt der Wirbelsäule. Unverarbeiteter Zorn wiederum trifft die Leber und die Gallenblase. Traurigkeit und Kummer setzen sich in den Lungen und im Brustkorb fest. Das Zentrum im Bereich des Halses ist für den Selbstausdruck zuständig. Menschen, die ihre Stimme über einen längeren Zeitraum unterdrücken, leiden häufig an Schilddrüsenproblemen oder chronischen Halsentzündungen. Das ist kein Zufall. Es ist ein Gesetz.
Hier kommen wir zu einem Aspekt, über den selten gesprochen wird, der jedoch in den alten Lehren als wesentliches Element der Wirklichkeit betrachtet wurde: Die Emotionen, die wir erleben, gehören nicht immer vollständig zu uns.
Die emotionale Welt des Menschen existiert nicht im Vakuum. Um uns herum – und in uns – durchdringen sich subtile Schichten, die das gewöhnliche Auge nicht sieht. Zwei mögliche Quellen sind die kollektiven niedrigen Emotionen der Menschheit oder die Geister von Menschen, die die physische Welt verlassen haben, aber nicht weitergegangen sind und in den niedrigsten Regionen der emotionalen Welt verweilen.Warum gehen die Geister nicht weiter? Weil sie das anzieht, was sie kennen: ihre eigenen ungeheilten Emotionen – Zorn, Eifersucht, Neid, Süchte, Begierden. Während ihres physischen Lebens haben sie nicht an deren Auflösung gearbeitet und nach dem Tod des Körpers wird diese Emotion zu ihrer gesamten Welt. Sie werden zu dieser Emotion.
Und nun stellen wir uns vor, dass eine solche Seele jemandem gehörte, der uns nahestand. Wenn wir an sie denken, wenn wir uns nach ihr sehnen – ziehen wir sie zu uns heran. Und wenn sie nicht weitergegangen ist, strahlt sie unbewusst auf unseren emotionalen Körper das aus, was sie nach dem Tod des physischen Körpers geworden ist: Zorn, Unruhe, Verlangen, Begierde, Traurigkeit.
Ein Mensch, auf den eine solche Seele einwirkt, erkennt dies oft selbst nicht. Sein Umfeld hingegen bemerkt es, da es seine gewöhnliche Emotionalität kennt und eine plötzliche, unverhältnismäßige Erregung feststellt. Besonders deutlich wird dies in Momenten geschwächter Kontrolle, zum Beispiel nach Alkoholkonsum oder bei Erschöpfung. Dann gerät der Mensch in sehr starke emotionale Zustände, die manchmal so intensiv sind, dass sie an Wahnsinn grenzen. Dies stammt jedoch nicht unbedingt von seiner eigenen Psyche.
Und hier schließt sich der Kreis. Ein Geist, der Zorn ausstrahlt, verstärkt den Zorn im emotionalen Körper der lebenden Person. Dieser Zorn setzt sich – wie immer – in der Leber und der Gallenblase fest. Die Organe leiden immer mehr. Die Symptome nehmen zu. Der Mensch sucht die Ursache in der Ernährung, im Stress oder in der Genetik, kann sie aber nicht finden.
Die Läuterung einer anhaftenden Seele, also die Hilfe für sie, in lichtere Regionen zu gehen, kann zur Befreiung von diesem Übermaß an Emotionen und zu einer deutlichen Verbesserung der Gesundheit führen. Dies ist jedoch keine Regel. Krankheiten gehören zum Menschen. Ein Geist kann sie zwar verstärken, ihre ursprüngliche Ursache liegt jedoch in uns selbst, in unserem emotionalen Körper, unserer Geschichte und unseren eigenen ungelösten Mustern.
Deshalb kann kein Prozess der spirituellen Läuterung die klassische oder die natürliche Medizin ersetzen. Es handelt sich um zwei getrennte, aber einander ergänzende Wege.
Wahre Heilung muss bis an die Wurzeln reichen. Atemarbeit, Meditation und achtsame körperliche Übungen sind Werkzeuge, die Blockaden im Energie- und Emotionalkörper auflösen. Ebenso wichtig ist jedoch die Erkenntnis: Gehören die Emotionen, die ich erlebe, wirklich mir? Kennst du alle deine Emotionen?
Der Mensch ist eine Einheit. Wenn eine Schicht leidet, spüren alle ihren Schmerz. Wenn eine heilt, heilen alle.
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